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Sechs Schicksale, eine Verantwortung: Wolpertswende stellt Broschüre zu NS-Opfer in der Gemeinde vor

  • DSKOS
  • vor 5 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 13 Minuten


Der zum Denkstättenkuratorium gehörende Arbeitskreis "Erinnerungskultur" Wolpertswende stellt die Broschüre zu den Opfern des Nationalsozialismus der Gemeinde vor. | Foto: Hendrik Schuler
Der zum Denkstättenkuratorium gehörende Arbeitskreis "Erinnerungskultur" Wolpertswende stellt die Broschüre zu den Opfern des Nationalsozialismus der Gemeinde vor. | Foto: Hendrik Schuler

Am Donnerstag, 13. November 2025, fand in der Alten Kirche Mochenwangen die öffentliche Vorstellung der Broschüre „Opfer des Nationalsozialismus in der Gemeinde Wolpertswende“ statt. Zahlreiche Besucherinnen und Besucher waren der Einladung des Arbeitskreises „Erinnerungskultur“ des Denkstättenkuratoriums und der Gemeinde Wolpertswende gefolgt und drückten damit ihr Interesse aus.


Die neue Broschüre zur NS-Geschichte in Wolpertswende und Mochenwangen geht auf die Initiative des Lokalhistorikers Ludwig Zimmermann zurück, dessen Recherchen die Grundlage für die heutige Aufarbeitung bildeten. Der Arbeitskreis überarbeitete seine Materialien, belegte alle Aussagen sorgfältig mit Dokumenten und erstellte mit Unterstützung der Gemeinde und des Kreisarchivs die nun vorliegende Publikation.


Uwe Hertrampf und Ulrich Kees präsentierten die Broschüre für den Arbeitskreis „Erinnerungskultur“ und stellten die bewegenden Geschichten von sechs Mitbürgern vor, die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurden:



Broschüre „Opfer des Nationalsozialismus in der Gemeinde Wolpertswende“
Broschüre „Opfer des Nationalsozialismus in der Gemeinde Wolpertswende“

So wird an Maria Dirlewanger erinnert, die wegen einer schweren psychischen Erkrankung mehrfach in die Heil- und Pflegeanstalt Weißenau eingewiesen worden war und am 1. August 1940 im Rahmen der NS-„Euthanasie“ in Grafeneck ermordet wurde, sowie an Rosa Engel, die mit einer Zwangssterilisation als „erbkrank“ stigmatisiert wurde und am selben Tag den T4-Morden zum Opfer fiel. Die Broschüre zeichnet außerdem das Schicksal von Vinzenz Hartmann nach, der sich als Frontsoldat im Ersten Weltkrieg eine unheilbare Krankheit zuzog, von der Kriegsfürsorge in die Heilanstalt Liebenau überwiesen und am 2. Oktober 1940 in Grafeneck getötet wurde. Weiterhin wird an Vinzenz Schrage gedacht, der fast sein gesamtes Leben in Betreuungseinrichtungen verbrachte und im Juli 1940 über Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet wurde. Ergänzt werden diese Biografien durch das tragische Beispiel des Soldaten Johann Baptist Pfeffer, der wegen Fahnenflucht als Deserteur zum Tode verurteilt, 1944 standrechtlich erschossen und anschließend aus dem öffentlichen Gedenken ausgeschlossen wurde.  Auch der Kaufmann Konrad Breg, der sich u. a. durch die Geburt eines unehelichen Kindes zahlreichen Anfeindungen ausgesetzt sah, wurde durch Erschießen hingerichtet.


Die Lebensgeschichten verdeutlichen eindrücklich, dass auch ländliche Gemeinden wie Wolpertswende nicht von den Gräueltaten des NS-Regimes verschont blieben. Ziel der Veröffentlichung ist es daher, den Opfern ihre Würde zurückzugeben, die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur zu unterstreichen und einen Impuls für die Einrichtung dauerhafter Denkorte in beiden Ortsteilen zu setzen.


Zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des Arbeitskreises „Erinnerungskultur“ des Denkstättenkuratoriums und der Gemeinde Wolpertswende. | Foto: Hendrik Schuler
Zahlreiche Besucherinnen und Besucher folgten der Einladung des Arbeitskreises „Erinnerungskultur“ des Denkstättenkuratoriums und der Gemeinde Wolpertswende. | Foto: Hendrik Schuler

Die Vorsitzende Birgit Brüggemann des Denkstättenkuratoriums war in Begleitung mit dem Geschäftsstellenleiter Hendrik Schuler ebenfalls vor Ort und stellte die Arbeit des Denkstättenkuratoriums und die „Oberschwäbischen Erinnerungswege“ vor. Sie sicherte die Unterstützung des Denkstättenkuratoriums für die Erinnerungskultur in der Gemeinde Wolpertswende zu.



Das Hornquartett der Musikschule Ravensburg unter der Leitung von Musikschuldirektor Harald Hepner begleitete die Veranstaltung | Foto: Hendrik Schuler
Das Hornquartett der Musikschule Ravensburg unter der Leitung von Musikschuldirektor Harald Hepner begleitete die Veranstaltung | Foto: Hendrik Schuler

Musikalisch wurde die Veranstaltung von einem Hornquartett der Musikschule Ravensburg unter der Leitung von Musikschuldirektor Harald Hepner begleitet, das den Abend würdevoll umrahmte.

Bürgermeister Daniel Steiner bedankte sich im Namen der Gemeinde ganz besonders bei den Mitgliedern des Arbeitskreises „Erinnerungskultur“ für ihre aufwendige und engagierte Arbeit: Uwe Hertrampf, Ulrich Kees, Sybille Glatz, Gertrud Graf, Werner Klaus, Andreas Knitz, Jürgen Matt, Bernd Martin Rohde, Wilfried Scheremet, Wilhelm Bentele und Ludwig Zimmermann als Initiator der Aufarbeitung und des Arbeitskreises.


Die Broschüre steht kostenlos im Rathaus in Wolpertswende und künftig auch noch an weiteren, gerade in Klärung befindlichen öffentlichen Orten in Wolpertswende und Mochenwangen zur Verfügung. Auch über das Denkstättenkuratorium kann die Broschüre bezogen werden.


Das Denkstättenkuratorium wird institutionell durch das Land Baden-Württemberg gefördert.


Text: Daniel Steiner/Hendrik Schuler


Pressebericht (Schwäbische Zeitung, 28.11.25):


 
 
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