Gedenken an Monika Rinderle und Theodor Borowski in Hohenbodman: Gemeinde Owingen setzt dauerhaftes Zeichen gegen das Vergessen

Auf dem Mehrgenerationenplatz wurden im Rahmen einer feierlichen Gedenkveranstaltung zwei Gedenktafeln bzw. -steine für Monika Rinderle und Theodor Borowski enthüllt. Beide fielen während der NS-Diktatur den rassistischen „Polenerlassen“ zum Opfer. Die Gedenksteine bilden einen neuen Denkort an den "oberschwäbischen Erinnerungswegen" des Denkstättenkuratoriums.
Mit einer bewegenden Gedenkveranstaltung hat die Gemeinde Owingen am 17. Oktober 2026 auf dem Mehrgenerationenplatz in Hohenbodman ein sichtbares Zeichen der regionalen Erinnerungskultur gesetzt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen das Gedenken sowie die Enthüllung und Segnung zweier Gedenktafeln für Monika Rinderle und Theodor Borowski, deren Schicksale nun dem Vergessen entrissen wurden.

Ein historischer Meilenstein der Aufarbeitung in Owingen
Der Aufarbeitungsprozess in der Gemeinde geht maßgeblich auf den beharrlichen Einsatz von Monja Rinderle, Großnichte von Monika Rinderle, zurück, die den Namen ihrer Großtante bei einer Studienfahrt unter den Opfern im Konzentrationslager Ausschwitz ausfindig machte und weitere Nachforschungen anstellte. Im Juni 2026 fasste der Owinger Gemeinderat den einstimmigen Beschluss, das Erinnern an die Opfer würdig und dauerhaft im öffentlichen Raum zu verankern. Historische Forschungen von Gertrud Graf und Eugen Michelberger des Denkstättenkuratoriums sowie eine von der Gemeinde Owingen in Auftrag gegebene wissenschaftliche Studie des Historikers Marc Konstanzer hatten die Geschehnisse aus den Jahren 1941 und 1942 zuvor lückenlos belegt.
Die Schicksale von Monika Rinderle und Theodor Borowski
Beide Opfer wurden von der NS-Justiz auf Grundlage der rassistischen „Polenerlasse“ von 1940 verfolgt, die jeglichen intimen Kontakt zwischen polnischen Zwangsarbeitern und deutschen Frauen unter Todes- bzw. Konzentrationslagerstrafe stellten.
Theodor Borowski, ein ehemaliger soldatischer Kriegsgefangener aus Polen, wurde zur Zwangsarbeit gezwungen und am 13. Februar 1942 an der Eichhalde durch den Strang öffentlich hingerichtet. Monika Rinderle, eine erst 20-jährige Magd, wurde am 8. Mai 1941 festgenommen, auf der Überlinger Hofstatt vor Hunderten Schaulustigen öffentlich gedemütigt und geschoren. Nach Haftstationen in Konstanz und im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück wurde sie nach Auschwitz deportiert und dort am 15. Oktober 1942 ermordet.
Feierlicher Ablauf und Enthüllung

Bürgermeister Henrik Wengert eröffnete die Feierstunde im Bürgerhaus in Hohenbodman mit einer Begrüßung. Dr. Clemens Rehm beleuchtete in seinem Vortrag „Aufarbeitung und Erinnerung als Chance“ die historische Verantwortung. Anschließend sprachen Monja Rinderle als Vertreterin der Angehörigen sowie Birgit Brüggemann, Vorsitzende des Denkstättenkuratoriums NS-Dokumentation Oberschwaben. Brüggemann betonte, dass der Denkort in Hohenbodman in das überregionale Netz der Erinnerungswege in Oberschwaben und Bodenseeraum eingebettet wurde und das örtliche Gedenken zur aktiven Zivilcourage in der Gegenwart mahne.
Den Höhepunkt der Feierstunde bildete die feierliche Enthüllung der Gedenksteine durch Monja Rinderle, Bürgermeister Henrik Wengert, Clemens Rehm und Birgit Brüggemann. Pfarrer Bernd Walter schloss die Zeremonie mit Gebet und Segen ab. Mit den neuen Gedenktafeln in der Dorfmitte erinnert die Gemeinde dauerhaft an die Opfer und setzt ein klares Zeichen für Menschenwürde und Demokratie.
Bericht zur Enthüllung des Denkortes in SWR-Aktuell vom 17.10.2026 | Quelle: Südwestrundfunk (SWR)
(Text: Denkstättenkuratorium NS-Dokumentation Oberschwaben)



